Startseite / Wissen / Warten auf einen Therapieplatz

Warten auf einen Therapieplatz: Was kann in der Zwischenzeit gut tun?

Damit die Wartezeit keine leere Zeit bleibt

Du hast Mut gefasst und Dir eingestanden, dass Du Hilfe brauchst. Oder Du hast gemerkt, dass Dein Kind Unterstützung braucht. Und dann heisst es: Warteliste. Das kann sich anfühlen, als würdest Du mit Deinem Anliegen allein gelassen. Die Wartezeit lässt sich nicht immer verkürzen. Aber sie muss keine leere Zeit sein.

Eine Parkbank aus riesigen Farbstiften auf einer Wiese mit Herbstlaub
Eine Bank zum Ausruhen: Auch eine Wartezeit kann ein Ort sein, an dem Du Kraft sammelst.

Zu diesem Text: Dieser Text fasst allgemeines Wissen zusammen und vereinfacht es bewusst, damit es gut lesbar bleibt. Im echten Leben ist es meist vielschichtiger. Jeder Mensch und jede Situation ist anders und verdient einen eigenen Blick. Was davon für Dich stimmt, entscheidest Du selber.

Wie Psychotherapie über die Krankenkasse läuft

Seit Juli 2022 gilt in der Schweiz das sogenannte Anordnungsmodell. Psychologische Psychotherapeut:innen können ihre Behandlung über die Grundversicherung abrechnen, wenn eine Ärztin oder ein Arzt die Therapie anordnet. Anordnen dürfen Ärzt:innen der Grundversorgung, zum Beispiel Deine Hausärztin oder die Kinderärztin, sowie Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie.

Eine Anordnung gilt für höchstens 15 Sitzungen und kann erneuert werden. Für eine Krisenintervention können Ärzt:innen aller Fachrichtungen einmalig bis zu 10 Sitzungen anordnen.

Ein guter erster Schritt ist darum oft ein Gespräch mit Deiner Hausärztin oder Deinem Hausarzt.

Tipps für die Suche

  • Mehrere Stellen anfragen: Lass Dich auf mehrere Wartelisten setzen. Frag nach, wie lange die Wartezeit ungefähr ist.
  • Hilfe beim Suchen annehmen: Deine Hausärztin oder eine Fachstelle kennt oft Adressen. Manchmal kann auch eine vertraute Person für Dich anrufen.
  • Dranbleiben: Wenn Du nach einigen Wochen nichts gehört hast, darfst Du freundlich nachfragen.
  • Notizen machen: Halte fest, wo Du angefragt hast und wann. Das entlastet den Kopf.

Bei der Suche können Dir diese Seiten helfen:

  • PsyFinder: Suchportal der FSP, der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen
  • Aepsy: Online-Plattform für die Suche nach Psychotherapeut:innen und Psycholog:innen
  • WePractice: Plattform für die Suche nach Psychotherapeut:innen

Was in der Zwischenzeit gut tun kann

Diese Ideen ersetzen keine Therapie. Sie können aber helfen, die Zeit etwas leichter zu machen:

  • Einen Rhythmus finden: Regelmässige Zeiten für Schlaf, Essen und Bewegung geben Halt, gerade wenn innen vieles wackelt.
  • In Verbindung bleiben: Erzähl einem vertrauten Menschen, wie es Dir geht. Du musst das nicht allein tragen.
  • Den Körper beruhigen: Länger aus- als einatmen, ein Spaziergang in der Natur, eine warme Dusche. Der Körper ist oft der einfachste Zugang zur Ruhe.
  • Kleine Lichtblicke einplanen: Etwas, das Dir guttut, auch wenn es nur ein paar Minuten sind.
  • Einen Notfallkoffer packen: Schreib auf, was Dir in schwierigen Momenten schon einmal geholfen hat. Sätze, die Dich stärken, Menschen, die Du anrufen kannst, Dinge, die Dich beruhigen. So hast Du es zur Hand, wenn der Kopf gerade nicht klar denken kann.
  • Aufschreiben: Was Dich beschäftigt, kannst Du in einem Heft festhalten. Das ordnet die Gedanken und hilft später auch in der Therapie.

Für Eltern

Wenn Dein Kind auf einen Therapieplatz wartet, ist das auch für Dich belastend. Du musst nicht alles lösen. Oft hilft es schon, da zu sein, zuzuhören und den Alltag so verlässlich wie möglich zu gestalten. Halte Kontakt zur Schule, wenn Dein Kind einverstanden ist. Und vergiss Dich selbst nicht: Auch Du darfst Unterstützung holen.

Wie Beratung die Zeit überbrücken kann

Psychologische Beratung ersetzt keine Psychotherapie. Sie kann aber die Wartezeit überbrücken. Wir schauen gemeinsam, was Dich gerade belastet und was Dir guttut. Wir stärken das, was Dich trägt, und üben, wie Du Dich in schwierigen Momenten selbst beruhigen kannst. Wenn der Therapieplatz frei wird, kannst Du gestärkt dort anknüpfen.

Ich stelle keine Diagnosen und behandle keine psychischen Erkrankungen. Wenn ich merke, dass jemand dringend mehr Unterstützung braucht, sage ich das offen. Mehr zur psychologischen Beratung · Psychologische Beratung oder Psychotherapie?

Wenn es schlimmer wird

Wenn es Dir oder Deinem Kind deutlich schlechter geht, warte bitte nicht ab. Sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

In einer akuten Krise wende Dich bitte sofort an eine Notfallstelle, zum Beispiel an den Sanitätsnotruf 144 oder an Die Dargebotene Hand unter 143. Kinder und Jugendliche erreichen die Beratung von Pro Juventute unter 147. Weitere Stellen findest Du unter Links & Netzwerk.

Quellen: Kanton Aargau: Anordnungsmodell · Mannherz, M., Ditrich, I. & Koentges, C. (2025): Die Welt autistischer Frauen und Mädchen. 2. Auflage. Weinheim: Beltz

Melde Dich, wenn Du magst

Ich freue mich, von Dir zu hören.

Die violette Praxistür von Raum 310, davor eine Fussmatte mit Herz

Ich schreibe hier im Du, weil es sich für mich nah und natürlich anfühlt. Wenn Dir das Sie lieber ist, ist das genauso in Ordnung. Sag es mir einfach.

Mattenhofstrasse 5, 3007 Bern, im DAZ/WISCHEN-Gebäude, 3. Stock, Raum 310. Ein Lift und wenige Parkplätze vor dem Gebäude oder in der Nähe sind vorhanden. Praxistage sind Donnerstag und Freitag.

Ich bin Mitglied der SGfB, halte mich an die ethischen Richtlinien des IKP und unterstehe der Schweigepflicht.