
Zu diesem Text: Dieser Text fasst allgemeines Wissen zusammen und vereinfacht es bewusst, damit es gut lesbar bleibt. Im echten Leben ist es meist vielschichtiger. Jeder Mensch und jede Situation ist anders und verdient einen eigenen Blick. Was davon für Dich stimmt, entscheidest Du selber.
Wie Dein Gehirn lernt
Jedes Mal, wenn Du etwas lernst, entsteht im Gehirn eine Verbindung. Am Anfang ist sie wie ein schmaler Trampelpfad. Mit jeder Wiederholung wird der Pfad breiter. Irgendwann wird daraus eine Autobahn, und das Wissen ist schnell abrufbar.
Die Psychologin Stefanie Rietzler und der Psychologe Fabian Grolimund leiten die Akademie für Lerncoaching. Sie beschreiben fünf Gesetze, die dem Gedächtnis helfen:
- Sag Dir, dass es wichtig ist. Ein innerer Satz wie «Das will ich mir merken» schaltet das Gehirn auf Lernen.
- Wiederhole. Jede Wiederholung macht den Pfad stärker.
- Nutze viele Kanäle. Lesen, hören, sprechen, schreiben, sich etwas vorstellen. Je mehr Sinne beteiligt sind, desto besser hält das Wissen.
- Mach Pause, bevor Du müde bist. Auch während Pausen und im Schlaf arbeitet das Gehirn weiter.
- Beweg Dich. Bewegung fördert die Durchblutung und tut dem Lernen gut.
Das Wichtige zuerst
Clever lernen heisst nicht, mehr Stunden zu lernen. Es heisst, zuerst das Wichtige zu finden. Stell Dir eine Zielscheibe vor: In der Mitte steht, was fast sicher geprüft wird. Am Rand steht, was weniger wichtig ist. So findest Du die Mitte:
- Lernziele anschauen: Sie zeigen fast immer, was in der Prüfung vorkommt.
- Unterlagen überfliegen: Titel, fett Gedrucktes, Merksätze und Grafiken weisen auf Wichtiges hin.
- Auf die Lehrperson achten: Was betont sie? Was wiederholt sie? Was schreibt sie an die Tafel?
Aus dem Kopf aufs Papier
Wenn der Kopf voller Aufgaben ist, kann das lähmen. Sobald Du eine Aufgabe oder einen Termin aufschreibst, darf Dein Kopf sie loslassen. Eine Agenda oder ein Wochenplan hilft dabei.
Rückwärts planen: Trag zuerst den Prüfungstermin ein, gerne in einer auffälligen Farbe. Überleg dann, ab wann Du lernen musst, und trag jeden Lerntag bis zur Prüfung ein.
Planen in drei Schritten:
- Aufgaben aufschreiben: Jede Aufgabe auf einen eigenen Zettel. Grosse Aufgaben teilst Du in kleinere auf.
- Zeit und Material klären: Wie lange brauche ich? Was brauche ich dafür?
- Auf die Woche verteilen: Leg die Zettel auf Deinen Wochenplan. An anstrengenden Tagen planst Du weniger ein.
Ist eine Aufgabe erledigt, darfst Du den Zettel zerknüllen oder weglegen. Das kleine Erfolgserlebnis motiviert für die nächste Aufgabe.
Der Tagesplan: den Berg in Etappen
«Es ist so viel, das schaffe ich nie.» Dann wirkt der Berg riesig. Ein Tagesplan teilt ihn in Etappen. Zum Beispiel:
- Mathematik, Heft und Buch Seite 45, etwa 15 Minuten
- Pause, 5 Minuten
- Deutschtext lesen, etwa 10 Minuten
- Pause mit einem Lieblingslied
- Wörtli mit Lernkarten, etwa 5 Minuten
Die Aufgaben werden gegen Ende kürzer. Das passt zur Konzentration, die mit der Zeit nachlässt. Fächer abzuwechseln hilft dem Gedächtnis. Und jedes Häkchen ist ein kleiner Erfolg.
Texte clever lesen
«Ich lese den Text dreimal, und trotzdem bleibt nichts hängen.» Das kennen viele. Hilfreicher als mehrmaliges Lesen ist eine Strategie in drei Schritten:
- Einteilen: Teile den Text in kurze Abschnitte, höchstens eine halbe Seite.
- Lesen: Lies einen Abschnitt aufmerksam.
- Wiedergeben: Sag in eigenen Worten, worum es ging, laut oder leise.
Zusätzlich kannst Du pro Abschnitt zwei, drei Schlüsselwörter unterstreichen. Oder Du überlegst Dir: Welche Frage könnte die Lehrperson dazu stellen? Diese Fragen schreibst Du auf und testest Dich später damit. Noch besser geht es zu zweit: Eine Person erklärt, die andere hört zu und ergänzt. Dann tauscht Ihr. Wer etwas erklärt, merkt es sich besonders gut.
Wann, wo und womit Du lernst
Es gibt kein Rezept, das für alle passt. Es lohnt sich, auszuprobieren:
- Geräusche: Nicht alle lernen in Stille am besten. Ruhige Musik ohne Gesang kann helfen. Lieder in der eigenen Sprache lenken eher ab.
- Handy weg: Jede Unterbrechung reisst Dich aus dem Lernen. Bis Du wieder drin bist, vergehen oft mehrere Minuten.
- Nach dem Lernen: Gönn Deinem Gehirn eine Weile Abstand, bevor Du zu Handy oder Games greifst. So kann sich das Gelernte setzen.
- Tageszeit: Lernst Du am besten früh, mittags oder abends? Probier es aus.
Digitale Helfer: Mit Programmen für Mindmaps kannst Du Inhalte als Bild darstellen. KI-Werkzeuge können Texte zusammenfassen, Prüfungsfragen vorschlagen oder Dir helfen, einen Lernplan zu erstellen. Beschreib dafür, was Du bis wann können musst und womit Du Mühe hast. Lade aber keine persönlichen oder vertraulichen Daten hoch, und prüf die Antworten kritisch.
Ausprobieren, schauen, dranbleiben
Es gibt keine perfekte Lernstrategie für alle. Was zählt: ausprobieren, schauen, was klappt, und dranbleiben. Vielleicht nimmst Du eine einzige Idee aus diesem Text mit und testest sie in der nächsten Woche. Was davon für Dich stimmt, entscheidest Du selber.
Gut zu wissen
Im Lerncoaching erarbeiten wir solche Strategien gemeinsam und passen sie an Dich an. Mehr zum Lernen mit ADHS findest Du im Eintrag Lernen mit ADHS in der Lehre.
Quellen: Rietzler, S. & Grolimund, F. (2024): Clever lernen. 2., aktualisierte Auflage. Bern: Hogrefe · Rietzler, S. & Grolimund, F. (2023): Erfolgreich lernen mit ADHS und ADS. Der praktische Ratgeber für Eltern. 2., überarbeitete Auflage. Bern: Hogrefe

