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Lernen mit ADHS in der Lehre: Was kann den Alltag leichter machen?

Kleine Schritte, die viel bewirken können

Mit der Lehre beginnt ein neuer Alltag. Betrieb, Berufsfachschule, überbetriebliche Kurse, Prüfungen und oft frühes Aufstehen. Vieles musst Du jetzt selbst im Blick behalten. Mit ADHS kann sich das manchmal anfühlen wie ein Orchester, bei dem die Dirigentin fehlt.

Ein Holzsteg führt durch Gräser Richtung Meer
Brett für Brett entsteht ein Weg, auf dem Du sicher vorwärtskommst.

Zu diesem Text: Dieser Text fasst allgemeines Wissen zusammen und vereinfacht es bewusst, damit es gut lesbar bleibt. Im echten Leben ist es meist vielschichtiger. Jeder Mensch und jede Situation ist anders und verdient einen eigenen Blick. Was davon für Dich stimmt, entscheidest Du selber.

Die Dirigentin im Kopf

Das Bild stammt von der ADHS-Coachin Jana Landolt. Sie vergleicht die sogenannten exekutiven Funktionen mit einer Dirigentin. Diese Funktionen helfen uns, zu planen, Prioritäten zu setzen, Impulse zu steuern, dranzubleiben und Informationen kurz im Kopf zu behalten. Sie sitzen vor allem im vorderen Teil des Gehirns.

Bei ADHS arbeitet diese Dirigentin oft weniger zuverlässig. Sie entwickelt sich zudem häufig langsamer. Wenn Dir also Organisation schwerfällt, hat das nichts mit Faulheit oder fehlender Intelligenz zu tun. Dein Gehirn funktioniert in manchen Bereichen einfach anders.

In der Lehre wird gerade diese Dirigentin stark gefordert. Die feste Struktur der Schulzeit fällt teilweise weg, dafür kommen neue Aufgaben dazu.

Ideen für Deinen Alltag

Nicht jede Idee passt für alle. Jana Landolt empfiehlt, eine Idee mindestens dreimal auszuprobieren, bevor Du sie verwirfst. Und sie so anzupassen, dass sie zu Dir passt.

  • Kurz vorausschauen: Nimm Dir am Morgen oder am Vorabend ein paar Minuten. Was steht an? Was musst Du mitnehmen? Was ist heute wirklich wichtig? Ein bis zwei Dinge reichen.
  • Rückwärts planen: Statt «Ich muss um 7 Uhr im Betrieb sein» rechnest Du zurück: Weg plus Bereitmachen plus etwas Puffer. So merkst Du Dir den Zeitpunkt, an dem Du losgehen musst.
  • Zeit grosszügig schätzen: Viele Menschen mit ADHS unterschätzen, wie lange etwas dauert. Rechne lieber etwas mehr Zeit ein.
  • Grosse Aufgaben in Etappen teilen: Wie bei einer Wanderung: nicht den ganzen Berg auf einmal, sondern eine Etappe nach der anderen.
  • Mit 10 Minuten starten: Stell einen Timer auf 10 Minuten und beginne nur mit dem ersten Schritt. Oft kommt die Motivation erst beim Tun.
  • Listen und Erinnerungen nutzen: Aufschreiben entlastet den Kopf. Erinnerungen im Handy helfen, an Termine und Abgaben zu denken.
  • Bewegung beim Zuhören: Manchen hilft es, beim Zuhören etwas in den Händen zu kneten oder zu kritzeln.
  • Den Körper beruhigen: Bevor Du planst, ein paarmal ruhig atmen und länger aus- als einatmen. Unter Stress lässt es sich schwerer planen.

Erholung gehört dazu

Ein Tag in Betrieb und Schule ist anstrengend, gerade wenn Du Dich viel konzentrieren und anpassen musst. Genügend Schlaf, Bewegung und Zeiten, in denen Du nichts leisten musst, sind kein Luxus. Sie geben Dir die Kraft für den nächsten Tag.

Nachteilsausgleich

In der beruflichen Grundbildung kann ein sogenannter Nachteilsausgleich möglich sein, auch bei ADHS. Er gleicht Nachteile aus, die durch eine Beeinträchtigung entstehen. Die Lernziele bleiben dabei gleich. Angepasst wird der Weg dorthin, zum Beispiel mit mehr Zeit bei Prüfungen, angepassten Unterlagen oder einem separaten Raum.

Im Kanton Bern stellt die lernende Person oder ihre gesetzliche Vertretung ein Gesuch. Dafür braucht es ein aktuelles Gutachten einer anerkannten Fachperson. Die Berufsfachschule informiert zu Beginn der Ausbildung darüber. Mehr dazu findest Du beim Kanton Bern.

Für Eltern

In der Lehre möchten Jugendliche selbständig sein. Gleichzeitig brauchen viele noch Unterstützung beim Planen und Dranbleiben. Das kann zu Hause zu Spannungen führen. Manchmal hilft es, diese Unterstützung ein Stück weit nach aussen zu geben. Dann bleibt zu Hause mehr Raum für Beziehung.

Wie ich begleiten kann

Im Lerncoaching erarbeiten wir zusammen Lernstrategien, die zu Dir passen. Wir schauen, wie Du Dein Lernen organisierst, Dich auf Prüfungen vorbereitest und mit Blockaden umgehst. In der Lerntherapie geht es zusätzlich um den Umgang mit dem, was Dir das Lernen erschwert. Dazu gehört auch die Beratung zum Nachteilsausgleich. Wenn Du möchtest, arbeite ich auch mit Deiner Berufsfachschule oder Deinem Lehrbetrieb zusammen.

Mehr zu Lerncoaching & Lerntherapie

Quellen: Landolt, J. (2024): Anders und richtig! Das Begleitbuch für junge Frauen mit ADHS. Basel: Animo Coaching · Carl, C., Ditrich, I., Koentges, C. & Matthies, S. (2022): Die Welt der Frauen und Mädchen mit AD(H)S. Warum sie so besonders sind und was sie stark macht. Weinheim: Beltz · Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern (2021): Nachteilsausgleich in der beruflichen Grundbildung (Flyer)

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Die violette Praxistür von Raum 310, davor eine Fussmatte mit Herz

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