
Zu diesem Text: Dieser Text fasst allgemeines Wissen zusammen und vereinfacht es bewusst, damit es gut lesbar bleibt. Im echten Leben ist es meist vielschichtiger. Jeder Mensch und jede Situation ist anders und verdient einen eigenen Blick. Was davon für Dich stimmt, entscheidest Du selber.
Was Hochsensibilität ist
Den Begriff hat die Psychologin Elaine Aron in den 1990er-Jahren geprägt. Er beschreibt Menschen, die Reize intensiver wahrnehmen, Erlebtes tiefer verarbeiten und schneller überreizt sind.
Hochsensibilität ist keine Diagnose und keine Krankheit. Sie gilt als Merkmal der Persönlichkeit. Fachleute verstehen sie als Kontinuum: Alle Menschen sind mehr oder weniger empfindsam, manche eben besonders.
Was die drei verbindet
Hochsensibilität, ADHS und Autismus haben eines gemeinsam: Reize kommen oft ungefiltert an. Bei ADHS sind die inneren Filter, die Wichtiges von Unwichtigem trennen, häufig wenig ausgeprägt. Auch bei Autismus gehört eine solche Reizfilterschwäche oft dazu.
Darum kennen viele Menschen aus allen drei Gruppen ähnliche Erfahrungen: schnelle Überreizung, Erschöpfung nach Menschenmengen oder lauten Räumen und ein grosses Bedürfnis nach Rückzug.
Was sie unterscheidet
Trotz dieser Gemeinsamkeit sind es verschiedene Dinge. Vereinfacht gesagt:
- Hochsensibilität beschreibt vor allem, wie fein und tief jemand wahrnimmt und verarbeitet.
- ADHS betrifft vor allem die Steuerung von Aufmerksamkeit, Aktivität und Impulsen.
- Autismus betrifft vor allem die Wahrnehmung, die soziale Kommunikation und das Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit. Oft gehören intensive Interessen dazu.
Die drei können einzeln vorkommen oder zusammen. Man kann hochsensibel sein, ohne ADHS oder Autismus zu haben. Und nicht alle Menschen mit ADHS oder Autismus würden sich als hochsensibel beschreiben.
Braucht es eine Einordnung?
Eine Einordnung kann helfen, sich besser zu verstehen und passende Unterstützung zu finden. Selbsttests aus dem Internet können eine erste Anregung sein, ersetzen aber keine Abklärung. Wenn Du vermutest, dass ADHS oder Autismus dahinterstecken könnten, ist eine Fachperson die richtige Ansprechstelle.
Für vieles im Alltag ist der Name aber gar nicht so entscheidend. Wichtiger ist die Frage: Was brauchst Du, damit es Dir gut geht?
Was Menschen mit feinen Antennen guttun kann
- Reize dosieren: Kopfhörer, ruhige Orte und kurze Pausen zwischendurch.
- Erholung einplanen: Nach intensiven Tagen braucht es Zeit, um alles zu verarbeiten.
- Grenzen spüren und benennen: Es ist in Ordnung, früher zu gehen oder Nein zu sagen.
- Den Körper einbeziehen: Länger aus- als einatmen kann helfen, das Nervensystem zu beruhigen. Mehr zum Nervensystem
- Die Stärke sehen: Feine Wahrnehmung bedeutet oft auch viel Einfühlungsvermögen, Tiefe und ein Gespür für Stimmungen.
Bei mir
Ich habe mich am IKP zum Thema Hochsensibilität weitergebildet. Hochsensible Menschen sind bei mir willkommen, mit oder ohne ADHS oder Autismus. Wir schauen gemeinsam, wie Du Deine Feinfühligkeit als Stärke erleben und Dich gut schützen kannst. Ich stelle keine Diagnosen.
Quellen: Aron, E. N. & Aron, A. (1997): Sensory-processing sensitivity and its relation to introversion and emotionality. Journal of Personality and Social Psychology, 73(2), 345–368 · Koldehoff, S. (2026): Keine Störung und keine Superkraft: das ist Hochsensibilität. Apotheken Umschau, 23.02.2026 · Landolt, J. (2024): Anders und richtig! Das Begleitbuch für junge Frauen mit ADHS. Basel: Animo Coaching · Mannherz, M., Ditrich, I. & Koentges, C. (2025): Die Welt autistischer Frauen und Mädchen. 2. Auflage. Weinheim: Beltz

